Hallo Columbia,
find ich gut, dass du dich da 'im Auge behältst' was 'therapieren' und zu 'bevormunden' betrifft. Ich glaube, wir Menschen rutschen doch gerne in die Falle, besser zu sein als die andere Person ....
Columbia hat geschrieben:Und ist es nicht auch unser Recht und unsere Pflicht als Freunde, jemandem zu sagen, dass wir sein Verhalten (im wörtlichen Sinn) "bedenklich" finden? Dürfen wir ihn auf Gefahren, die wir sehen, nicht hinweisen? Genauso, wie Du es gerade bei (und für!) mich tust?!
das, hhm.
eine meiner damals besten Freundinnen warf mir mal vor, dass eine andere Freundin sie darauf anspricht und versucht sie vom gesundheitsschädlichen Trinken und Rauchen abzuhalten. Ich dagegen nicht.
so ein verdeckter Vorwurf, als hätt ich kein Interesse an ihr.
Dabei hatte ich dies ca 2 jahre vorher auch schon gemacht und dann beschlossen, dass ich das nicht dauernd thematisieren will. Wenn's eh nix bringt.
Diese Freundin raucht und trinkt immer noch gesundheitsschädlich. Find ich beachtlich, wie lange so eine Gesundheitsschädigung auszuhalten ist von einem Körper .....
helfen denn Bedenken? hilft das Hinweisen auf Gefahren? Wennja: wem?
Recht und Pflicht. du meinst, weil wir die Nahesten sind?
Ich verfahre inzwischen lieber nach dem Motto, dass ich eben kommuniziere, wie es mir geht, und meine eigenen Konsequenzen ziehe. Und nicht mit dem Finger auf die andere Person zeige. (Gelingt mir manches und vieles Mal in den nahestehenden Beziehungen nicht so wie ich das will). Aus diversen Gründen geht es mir besser, wenn ich mit dem Finger auf mich zeige und wenn ich mir meine Konsequenzen überlege (und bei Bedarf korrigiere).
konkret: bedenklich finden
meine Erfahrung ist, dass ich einiges bedenklich finde, was andere garnicht und niemals bedenklich finden. Mit dem bedenklich zu finden, da kann Angst, vorherige (schlechte) Erfahrung, Neid etc den Bedenkenträger ganz groß werden lassen ....
konkret: Gefahren sehen
meine Mutter meinte, als wir eine Familientherapiestunde nahmen, weil wir nur stritten, dass sie mich (hinter mir stehend) da an der Kante eines steilen Abhanges sieht, und ich gerade dabei wäre einen großen Schritt über diese Kante zu machen. Ich war völlig verblüfft, denn ich stand auf einer Ebene mit einigen Aufs und Abs, aber ein Steilhang war nirgendwo. Tatsächlich ging es darum, dass ich plante zur Berliner Lesbenwoche zu fahren.
Gefahren zu sehen, ist eine Frage der Perspektive und die ist ja von Person zu Person sehr verschieden. Daher ist meine Gefahr nicht deine.
Meinen Enkel versuche ich nicht vor Gefahren zu warnen. Ich zeige ihm oft, wie was funktioniert oder eben auch nicht funkioniert (sprich, er turnt mal auf der Sesselkante, ich halte ihn, bis der Sessel kippt) und dann? vertraue ich ihm und seinem Selbsterhaltungstrieb und dem, dass trotzdem manchmal was passiert, aber meist nicht schlimm .... irgendwie haben wir ein sehr entspanntes Miteinander.
Und sicher: ich hab auch mal einer engen Freundin erklärt, warum ich es ziemlich bescheuert finde, wenn sie einen Diebstahl mitmachen will. ich sagte ihr das aber, weil ich merkte, dass ich ihr einfach zeigen will, wo ich stehe, nämlich sozusagen bei der Polizei und den anderen Gesetzeshütern. Garnicht um sie davon abzuhalten, denn das konnte ich ja nicht. Sie hat dann davon abgesehen. Eher, weil sie da all die Gründe dagegen (und die wenigen dafür) nochmal schwarz auf weiß vor sich hatte. Die hatte sie für sich garnicht so sauber aufgeschrieben. Ich glaube, das war das hilfreiche für sie, das hätte sie sonst nicht unbedingt so aufgelistet.
und was machst du, wenn du sagst, he, das find ich bedenklich. Und die andere Person sagt, ja, und? sei dir unbenommen!
oder du sagst, hei, das ist gefährlich! und ich sag: ich hab das Renntraining mitgemacht und nicht du, für mich ist das nicht so gefährlich.
wenn du dir, vor dem Äußern deiner Bedenken oder der von dir befürchteten Gefahren, klar wirst, dass diese in keinster Weise anerkannt werden müssen/dürfen/sollen, dann heißt das, dass du dies nur äußerst, wenn es um dich geht und nicht darum, dass die andere Person etwas ändert. z.b. wenn du merkst, das will ich aber sagen, weil ich dann besser schlafen kann und mir nicht mehr soviel Gedanken machen muss. Und bevor du also jemanden nervst, ist dann die Frage berechtigt, ob du kein anderes Verhalten findest, um mit deinen Einschlafproblemen fertig zu werden.
Was mir momentan schwer fällt, ist, wenn ich meine Freundin in ihrer Art der Erziehung sehe. Da habe ich Bedenken und sehe Gefahren! Und zu merken, dass meine Lösungen, Gefahren in ihrem Erziehungssystem tatsächlich aber garkeine Lösungen und Gefahren etc sind. So in letzter Zeit konnte ich ganz gut den Mund halten. Das hat eher Entspannung reingebracht.
Nunja, wer ist schon perfekt? Ich nicht. vlg Anra