Buchtips gesucht: Weg zu sich selbst und co.

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Buchtips gesucht: Weg zu sich selbst und co.

Neuer Beitragvon Columbia » 3. Feb 2010 09:39

Hallo Ihr Lieben!

Kann mir vielleicht jemand ein gutes Buch (oder mehrere) empfehlen, das einem "Betroffenen" direkt oder indirekt mir (als nicht wirklich verstehenden Außenstehenden) beim Verstehen der Probleme und Denkweisen dieses "Betroffenen" helfen könnte bei Themen wie:
Ich kann in meinem Leben nicht aufräumen.
Ich darf niemanden enttäuschen, niemandem weh tun.
Ich weiß eigentlich was ich mir wünschen würde, traue mich aber nicht, mich gegen die "gesellschaftlichen Zwänge" zu stellen.
Die Situation ist so verfahren, dass ich mich nicht bewegen kann.
Wenn ich jetzt einen Schritt zu mir selber mache wird alles anders und ganz schrecklich und davor habe ich so viel Angst.
Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht...
usw.

Gibt es Bücher die Mut machen und umsetzbare Tips geben, sich auf den Weg zu sich selbst zu machen?
Ich habe bei Amazon "Lieben was ist" von Byron Katie entdeckt. Hat das von Euch jemand gelesen und kann mir dazu was sagen?

lG und Danke für jede Idee,
Columbia

PS: Wenn Euch die Beschreibung der Problematik zu abstrakt ist, dann fragt bitte einfach nach. ich versuche selber noch die richtigen Worte zu finden...
Geht nicht, muss aber!
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Re: Buchtips gesucht: Weg zu sich selbst und co.

Neuer Beitragvon Anra » 3. Feb 2010 15:58

hei Columbia,

Verstehen ist das eine, therapieren ist das andere. Als Partnerin geht es darum, dass du bei dir bleibst und deine Einschätzung, Gefühlslage, Gedanken zu einer Situation kommunizierst und deine Wünsche und Bitten (die nicht erfüllt werden müssen) äußerst.
Verstehen bleibt manchmal bruchstückhaft, da du nicht unbedingt genau in die Fußstapfen der anderen Person treten kannst. Und Verstehen heißt nicht, dass man weiß, warum jemand was macht, oder wie du diesen Menschen davon abbringen kannst oder gar vorhersagen kannst, was er/sie in den nächsten 2 Stunden tun, denken und fühlen wird.
in dem Sinne das Buch: 'Verstehen heißt anworten'

Byron's Fragerunde, um bei so absolut und unveränderlich klingenden Ausagen aus der Schleife austreten zu können, hab ich als sehr sinnvoll erlebt. Ich würde das aber nur bedingt im partnerschaftlichen Kontext anwenden, da verstricken sich alle nur noch mehr miteinander.

und ja, die Liste klingt ganz abstrakt. Für mich läßt diese Auzählung aber so die Bilder entstehen, dass
- ich nicht über mein Leben und die Umstände darin bestimmen kann
- ich nicht weiß, was mir wichtig ist (und daher nicht entscheiden oder aufräumen kann, denn das ist eigene Prioritäten setzen)
- ich von anderen abhängig bin, von ihrer Meinung über mich
- ich mich nicht mehr nach dem Außen richten kann, aber ich weiß nicht, nach was ich sonst handeln, denken, fühlen soll.

als sehr nettes Arbeitsbuch für sich selber, kann ich empfehlen: 'Der Weg des Künstlers'

und zur Problematik der (angedeuteten) Co-Abhämgigkeit (mit den diversen Anteilen wie Depression, Scham, Hilflsoigkeit = Kontrollverlust ): ' die Bücher von Pia Melody'

Was auch immer hilfreich ist, ist sich klarzumachen, woher diese Art der Lebensbewältigung herkommt. Beispielsweise aus einer dysfunktionalen Familie (Alkohol oder andere Süchte, schwere psychische, aber auch physische Krankheiten, meistens der Eltern) oder konkreten Traumen (sexueller Missbrauch, Überfall etc.). Da gibts dann konkrete Literatur dazu. (auf meiner Liste ein paar zu Suchtfamilien)

Da es in unserer Zeit sehr ungewöhnlich ist, Gefühle zu lernen und zu lernen, wie damit umzugehen (meist werden die 'positiven' ja zum Zwang und die 'negativen' verboten), da gibt es interessant klingende Bücher (2 Beispiele auf meiner Liste)

und: die Art der Lebensbewältigung muss nicht geändert werden. Ein Mensch kann 90 Jahre alt werden damit. Der Mensch wird halt an anderen Stellen unglücklich sein, als einer, der eine andere Art der Lebensführung hat. Das ist -von dir- zu respektieren. Das bedeutet nicht, dass du auf diesen Menschen mit dem Finger zeigen kannst, dass er dich unglücklich macht mit seiner Art (dann agierst du selber co-abhängig) oder ihm dauernd drohst oder ihn beschimpfst (das ist emotionale Manipulation). Ein Mensch ändert seine Lebensführung, wenn er motiviert ist. Woher diese Motivation kommt, ist unterschiedlich. Bei den Selbsthilfegruppen sagen viele, sie waren an ihrem persönlichen Tiefstpunkt und wollten da weg (wobei der sehr individuell ist).

hier die Liste auf Amazon: Liste
viel Spaß beim Stöbern! Anra
p.s. bevor ich's vergesse: irgendwo las ich, dass Krisen vorübergehen. Entsprechend all ihrer komischen Eigenschaften, wie du sie ja auch beschrieben hast. Ihr könnt diese Krise also auch einfach aussitzen. Finde ich auch eine sehr entspannende Idee. Denn warum muss mensch immer und unbedingt daraus lernen oder sie 'bewältigen'??
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Re: Buchtips gesucht: Weg zu sich selbst und co.

Neuer Beitragvon Columbia » 3. Feb 2010 16:31

Hey Anra!

Deine Beiträge sind für mich immer extrem hilfreich: brutal ehrlich, präzise und mitten rein! Danke dafür!

Du hast Recht, dass ich mich davor hüten muss, meinen Partner (oder andere Menschen die mir wichtig sind) zu therapieren oder ihnen meine Vorstellungen überzustülpen. Ich bin mir dieser Gefahr aber durchaus bewußt und habe mich in dieser Hinsicht scharf im Blick.
Trotzdem bin ich einfach ein extrem neugieriger Mensch und will mich nicht damit zufrieden geben, dass andere Menschen einfach anders "ticken" als ich, sondern ich habe ein Interesse daran sie (und selbstverständlich auch mich) ein Stück weit besser zu verstehen. Das versuche ich in erster Linie durch Gespräche (natürlich), aber ich will immer mehr. Und wenn es Themen gibt, die mich stark beschäftigen, dann versuche ich gerne, sie von vielen Seiten zu beleuchten. Als ich vor ein paar Jahren von einem Junkie mit vorgehaltenem Messer vor meiner eigenen Haustür überfallen und sexuell genötigt wurde, habe ich natürlich auch mit Freunden gesprochen, mir meine Ängste und meinen Kummer von der Seele geredet und mich viel mit mir selbst und meinem ganz konkreten Seelenleben beschäftigt, aber ich habe auch Bücher über Suchterkrankungen und sexuellen Mißbrauch und den Umgang mit traumatischen Erfahrungen gelesen, weil ich mir gerne mögllichst viele Aspekte einer Sache angucke. Klar kann man aussitzen... aber das ist nicht meins.

Anra hat geschrieben:Byron's Fragerunde, um bei so absolut und unveränderlich klingenden Ausagen aus der Schleife austreten zu können, hab ich als sehr sinnvoll erlebt. Ich würde das aber nur bedingt im partnerschaftlichen Kontext anwenden, da verstricken sich alle nur noch mehr miteinander.

Es ist auch nicht mein Ziel, abends im Bett mit meinem Partner zusammen Selbsthilfe Ratgeber zu lesen, keine Sorge! Ich suche einfach Input! (s.o.)

Anra hat geschrieben:und: die Art der Lebensbewältigung muss nicht geändert werden. Ein Mensch kann 90 Jahre alt werden damit. Der Mensch wird halt an anderen Stellen unglücklich sein, als einer, der eine andere Art der Lebensführung hat. Das ist -von dir- zu respektieren. Das bedeutet nicht, dass du auf diesen Menschen mit dem Finger zeigen kannst, dass er dich unglücklich macht mit seiner Art (dann agierst du selber co-abhängig) oder ihm dauernd drohst oder ihn beschimpfst (das ist emotionale Manipulation). Ein Mensch ändert seine Lebensführung, wenn er motiviert ist. Woher diese Motivation kommt, ist unterschiedlich. Bei den Selbsthilfegruppen sagen viele, sie waren an ihrem persönlichen Tiefstpunkt und wollten da weg (wobei der sehr individuell ist).

Natürlich "muss" sich niemand ändern! Schon gar nicht für mich! Das würde ich auch niemals verlangen oder voraussetzen!
Wenn ich mit einem Menschen dauerhaft unglücklich bin, dann entscheide ich, meinen Weg in Zukunft ohne ihn fortzusetzen. Ich verurteile ihn nicht für sein Verhalten und werfe es ihm nicht vor, aber ich nehme mir das Recht, ihm meine Meinung zu sagen.
Und ist es nicht auch unser Recht und unsere Pflicht als Freunde, jemandem zu sagen, dass wir sein Verhalten (im wörtlichen Sinn) "bedenklich" finden? Dürfen wir ihn auf Gefahren, die wir sehen, nicht hinweisen? Genauso, wie Du es gerade bei (und für!) mich tust?!

nachdenkliche Grüße von
Columbia

PS: Ganz lieben Dank für Deine vielen Buchtips! Da mach ich mich jetzt ran!

Ach noch was:
Anra hat geschrieben:p.s. bevor ich's vergesse: irgendwo las ich, dass Krisen vorübergehen. Entsprechend all ihrer komischen Eigenschaften, wie du sie ja auch beschrieben hast. Ihr könnt diese Krise also auch einfach aussitzen. Finde ich auch eine sehr entspannende Idee. Denn warum muss mensch immer und unbedingt daraus lernen oder sie 'bewältigen'??

Es geht hier nur am Rande um eine Krise, die die Beziehung zwischen mir und meinem Partner betrifft. Es geht in erster Linie um sein "Restleben" neben mir, das ihm spätestens mittelfristig um die Ohren fliegen wird, wenn er so weiter macht. Klar, ICH kann das aussitzen und mich dann auf neue Situationen einstellen, aber ER hat eigentlich andere Wünsche, die er nur nicht umsetzen "kann", weil er sich so extrem gelähmt und blockiert und gezwungen fühlt. Verhaltensweisen, die ich nicht wirklich nachvollziehen kann, weil ich da ganz anders bin. Daher mein Wunsch nach mehr Informationen...
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Re: Buchtips gesucht: Weg zu sich selbst und co.

Neuer Beitragvon Anra » 3. Feb 2010 17:23

Hallo Columbia,

find ich gut, dass du dich da 'im Auge behältst' was 'therapieren' und zu 'bevormunden' betrifft. Ich glaube, wir Menschen rutschen doch gerne in die Falle, besser zu sein als die andere Person ....

Columbia hat geschrieben:Und ist es nicht auch unser Recht und unsere Pflicht als Freunde, jemandem zu sagen, dass wir sein Verhalten (im wörtlichen Sinn) "bedenklich" finden? Dürfen wir ihn auf Gefahren, die wir sehen, nicht hinweisen? Genauso, wie Du es gerade bei (und für!) mich tust?!


das, hhm.
eine meiner damals besten Freundinnen warf mir mal vor, dass eine andere Freundin sie darauf anspricht und versucht sie vom gesundheitsschädlichen Trinken und Rauchen abzuhalten. Ich dagegen nicht.
so ein verdeckter Vorwurf, als hätt ich kein Interesse an ihr.
Dabei hatte ich dies ca 2 jahre vorher auch schon gemacht und dann beschlossen, dass ich das nicht dauernd thematisieren will. Wenn's eh nix bringt.
Diese Freundin raucht und trinkt immer noch gesundheitsschädlich. Find ich beachtlich, wie lange so eine Gesundheitsschädigung auszuhalten ist von einem Körper .....

helfen denn Bedenken? hilft das Hinweisen auf Gefahren? Wennja: wem?

Recht und Pflicht. du meinst, weil wir die Nahesten sind?

Ich verfahre inzwischen lieber nach dem Motto, dass ich eben kommuniziere, wie es mir geht, und meine eigenen Konsequenzen ziehe. Und nicht mit dem Finger auf die andere Person zeige. (Gelingt mir manches und vieles Mal in den nahestehenden Beziehungen nicht so wie ich das will). Aus diversen Gründen geht es mir besser, wenn ich mit dem Finger auf mich zeige und wenn ich mir meine Konsequenzen überlege (und bei Bedarf korrigiere).

konkret: bedenklich finden
meine Erfahrung ist, dass ich einiges bedenklich finde, was andere garnicht und niemals bedenklich finden. Mit dem bedenklich zu finden, da kann Angst, vorherige (schlechte) Erfahrung, Neid etc den Bedenkenträger ganz groß werden lassen ....

konkret: Gefahren sehen
meine Mutter meinte, als wir eine Familientherapiestunde nahmen, weil wir nur stritten, dass sie mich (hinter mir stehend) da an der Kante eines steilen Abhanges sieht, und ich gerade dabei wäre einen großen Schritt über diese Kante zu machen. Ich war völlig verblüfft, denn ich stand auf einer Ebene mit einigen Aufs und Abs, aber ein Steilhang war nirgendwo. Tatsächlich ging es darum, dass ich plante zur Berliner Lesbenwoche zu fahren.
Gefahren zu sehen, ist eine Frage der Perspektive und die ist ja von Person zu Person sehr verschieden. Daher ist meine Gefahr nicht deine.

Meinen Enkel versuche ich nicht vor Gefahren zu warnen. Ich zeige ihm oft, wie was funktioniert oder eben auch nicht funkioniert (sprich, er turnt mal auf der Sesselkante, ich halte ihn, bis der Sessel kippt) und dann? vertraue ich ihm und seinem Selbsterhaltungstrieb und dem, dass trotzdem manchmal was passiert, aber meist nicht schlimm .... irgendwie haben wir ein sehr entspanntes Miteinander.

Und sicher: ich hab auch mal einer engen Freundin erklärt, warum ich es ziemlich bescheuert finde, wenn sie einen Diebstahl mitmachen will. ich sagte ihr das aber, weil ich merkte, dass ich ihr einfach zeigen will, wo ich stehe, nämlich sozusagen bei der Polizei und den anderen Gesetzeshütern. Garnicht um sie davon abzuhalten, denn das konnte ich ja nicht. Sie hat dann davon abgesehen. Eher, weil sie da all die Gründe dagegen (und die wenigen dafür) nochmal schwarz auf weiß vor sich hatte. Die hatte sie für sich garnicht so sauber aufgeschrieben. Ich glaube, das war das hilfreiche für sie, das hätte sie sonst nicht unbedingt so aufgelistet.

und was machst du, wenn du sagst, he, das find ich bedenklich. Und die andere Person sagt, ja, und? sei dir unbenommen!
oder du sagst, hei, das ist gefährlich! und ich sag: ich hab das Renntraining mitgemacht und nicht du, für mich ist das nicht so gefährlich.

wenn du dir, vor dem Äußern deiner Bedenken oder der von dir befürchteten Gefahren, klar wirst, dass diese in keinster Weise anerkannt werden müssen/dürfen/sollen, dann heißt das, dass du dies nur äußerst, wenn es um dich geht und nicht darum, dass die andere Person etwas ändert. z.b. wenn du merkst, das will ich aber sagen, weil ich dann besser schlafen kann und mir nicht mehr soviel Gedanken machen muss. Und bevor du also jemanden nervst, ist dann die Frage berechtigt, ob du kein anderes Verhalten findest, um mit deinen Einschlafproblemen fertig zu werden.

Was mir momentan schwer fällt, ist, wenn ich meine Freundin in ihrer Art der Erziehung sehe. Da habe ich Bedenken und sehe Gefahren! Und zu merken, dass meine Lösungen, Gefahren in ihrem Erziehungssystem tatsächlich aber garkeine Lösungen und Gefahren etc sind. So in letzter Zeit konnte ich ganz gut den Mund halten. Das hat eher Entspannung reingebracht.
Nunja, wer ist schon perfekt? Ich nicht. vlg Anra
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Re: Buchtips gesucht: Weg zu sich selbst und co.

Neuer Beitragvon Anra » 3. Feb 2010 18:46

zu deinem nachsatz:
Columbia hat geschrieben:Es geht hier nur am Rande um eine Krise, die die Beziehung zwischen mir und meinem Partner betrifft. Es geht in erster Linie um sein "Restleben" neben mir, das ihm spätestens mittelfristig um die Ohren fliegen wird, wenn er so weiter macht. Klar, ICH kann das aussitzen und mich dann auf neue Situationen einstellen, aber ER hat eigentlich andere Wünsche, die er nur nicht umsetzen "kann", weil er sich so extrem gelähmt und blockiert und gezwungen fühlt. Verhaltensweisen, die ich nicht wirklich nachvollziehen kann, weil ich da ganz anders bin. Daher mein Wunsch nach mehr Informationen...


es gibt eine Reihe von Wünschen, die ich nicht zu Wirklichkeit werden lassen kann. Aus diversen Gründen. Ich find, die haben auch ihre Berechtigung. Ein Wunsch ist nur so lange einer, wie er unerfüllt ist (du weißt ja, die Wirklichkeit ist was gaanz anderes und du fragst dich, warum du dir das eigentlich gewünscht hast ...).

kannst du das wirklich gelassen und geduldig aussitzen?
Dann tu's!
Und red nicht nur davon!

lieber gelassen, als ein Aufstand/ Trubel/ Hinundher (außer du brauchst eben Aufstände und Trubel um dich wohlzufühlen. Viele Menschen fühlen sich bei einem gleichbleibenden und wohlwollender Umgebung unwohl. Weil sie beispielsweise das nicht gewohnt sind.)

denn:
ach und mittelfristig! das ist noch lang hin! bis dahin kann und wird sich noch so viel ändern, da würd ich wirklich zu Aussitzen neigen. Wieso die Eile? Dann ein Problem lösen, wenn es da ist. Jetzt im hier und heute. Morgen ist irgendwann. Vor allem bei angenommenen, vermuteten, befürchteten Krisen und Problemen.

Woher kommen deinen Annahmen, deine Vermutungen, deine Furcht?

Und Verhaltensweisen, die du nicht wirklich nachvollziehen kannst ....
Nachvollziehen .... kennst du die Art der Paargespräche? habe das Buch in meiner Liste aufgenommen. Empfehle seinen Empfehlungen der Dauer und Anzahl und Regelmäßigkeit zu folgen.

manchmal neigen wir (Menschen) dazu, den Grund, dass wir etwas nicht nachvollziehen können, beim anderen zu suchen, ähm sorry, zu finden. Tatsache, ist es jedoch so, dass ich sozusagen nicht fähig bin, die gleiche Bewegung, Verhaltensweise in der gleichen Spontaneität und Perfektion wie die andere Person auszuführen (unserem Gehirn ist es egal, ob wir etwas in der sog. äußeren Realität oder nur in Gedanken ausführen. Das macht tatsächlich keinen Unterschied).
Beispiel: Eistanz
Da ist einigermaßen und fast allen klar*, dass es Stunden des zuschauens, lernens, nachmachens, Fehler machens, korrigieren brauchst. Und selbst dann, wenn du es nicht von klein auf eingeübt hast, kann es sein, dass es dir nicht gelingt, diesen Tanz genau so nachzuvollziehn. Oder auch weil deine Körperproportionen so anders sind.

also zuhören. Die eigene Weltsicht und Erfahrungen dabei vergessen. Nur zuhören ...

Aber wenn es darum geht, warum die andere Person wütend oder verzagt ist? Dann schwingt oft sowas mitdabei, dass das doch wirklich so eigenartig ist, dass kann doch niemand wirklich nachvollziehen, das ist doch übertrieben, das ist doch unsinnig, ...

ach: nachvollziehen heißt ja auch nicht: gut finden, es wieder erleben, unterstützen, ....
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Re: Buchtips gesucht: Weg zu sich selbst und co.

Neuer Beitragvon Columbia » 4. Feb 2010 11:54

Wow, was für eine geballte Ladung Lebensweisheit...

Ich bin da in vielen Dingen auf Deiner Linie, aber nehmen wir doch mal die konkrete Situation von Mittwochabend:
Da kommt mein Freund, ein Mensch den ich sehr liebe, zu mir, fällt mir um den Hals, weint fürchterlich und erzählt mir, dass seine Frau (die er seit einem dreiviertel Jahr mit mir betrügt) ihn eben am Telefon gefragt hat, ob er eine andere hat. Und er hat "nein" gesagt. Er fühlt sich erbärmlich, schwach und nicht in der Lage sein Leben zu meistern. Er macht sich Vorwürfe, dass er andere verletzt und enttäuscht, er hat Angst seine Frau zu verlieren, Angst davor, dass alles ganz schrecklich wird usw. usw. usw.
Und dann steh ich da, mit meinem Talent und meiner völlig anderen Umgehensweise mit dem Leben als solches und Problemen im besonderen und versuche genau das, was Du beschrieben hast: zuhören! Und auf meine eigenen Bedürfnisse achten und sicher stellen, dass sie in dem Gefühlschaos nicht verloren gehen. Und ich achte sehr darauf, dass ich nicht mit dem Finger auf die (vermeintlichen?!) "Schwächen" oder "Fehler" eines anderen zeige, aber ich weiß, dass es mir oft hilft, meine Gedanken mit jemand anderem gemeinsam zu "sortieren" und deshalb finde ich, dass man schon sagen darf und sollte, wie man selber eine bestimmt Situation einschätzt. Das ist ja kein "So ist es und so musst Du es machen!" sondern ein "Guck hin! Guck genau hin!".
Aber egal...
Konkrete Situation, konkretes Problem. Nur mal als kleines Gedankenspielchen (wenn Du Lust dazu hast?!): Wie würdest Du Dich verhalten?!

lG
von der völlig unperfekten Columbia
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Kurze Antwort von mir

Neuer Beitragvon Chang » 4. Feb 2010 18:33

Hallo Columbia, du hast zwar Anra gefragt, trotzdem eine Antwort von mir:

Columbia hat geschrieben:Konkrete Situation, konkretes Problem. Nur mal als kleines Gedankenspielchen (wenn Du Lust dazu hast?!): Wie würdest Du Dich verhalten?!

Ich würde meine Partnerin (bei mir meine Frau) fragen, was sie gerade von mir will. Manchmal will meine Frau einfach nur gehört werden und manchmal will sie, dass ich ihr Fragen stelle, die dann sie selbst beantwortet, und manchmal will sie Unterstützung bei ihren Vorhaben und manchmal will sie auch einen Rat.
Also frag ihn, mit was du ihm gerade helfen kannst. Wenn er dann antwortet, ist es an dir, ob du das leisten willst und/oder kannst. Pass aber auf, dass du dabei deine eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen verlierst.

Vielleicht hat aber Anra noch viel bessere Ideen: Ich finde nämlich mit ihrer "Diagnose" (wenn ich das mal so nennen darf), als Co-Abhängige, liegt sie in deinem Fall nicht so ganz schlecht. Du lässt dich nämlich sehr leicht in die Probleme, die dein Partner hat, selbst verwickeln.
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Re: Buchtips gesucht: Weg zu sich selbst und co.

Neuer Beitragvon Columbia » 4. Feb 2010 21:35

Hey Chang!

Bis eben dachte ich, dass ich ihm genau diese Frage gestellt hätte. Also "Was willst du gerade von mir?". Mir wird aber gerade bewußt, dass ich zwar genau das fragen wollte, aber die falschen Worte benutzt habe: "Was kann ich für Dich tun?" Wird verbessert! ;o)

Chang hat geschrieben:Vielleicht hat aber Anra noch viel bessere Ideen: Ich finde nämlich mit ihrer "Diagnose" (wenn ich das mal so nennen darf), als Co-Abhängige, liegt sie in deinem Fall nicht so ganz schlecht. Du lässt dich nämlich sehr leicht in die Probleme, die dein Partner hat, selbst verwickeln.

Aber ich würde es nicht tun, wenn ich es nicht wollte! Ich kann's nicht gut erklären, aber dieser Mann und ich, wir sind nicht "nur" ein Liebes-Paar, sondern vom ersten Tag an auch eine "Denk-Gemeinschaft".Wir stellen uns selbst und gegenseitig und miteinander die "großen Fragen des Lebens" (Wie funktionieren Beziehungen? Wie funktionieren wir? Was für Ziele haben wir und warum? Wie gehen wir mit Fehlschlägen/ Verletzungen/ Problemen / ... um? Nach welchen Grundsdätzen leben wir? Sind wir mit unserem Leben zufrieden? Was können und/oder wollen wir ändern? ...) und verwenden viel Zeit und Energie darauf, solche Dinge (für uns) klarzukriegen und uns selbst und gegenseitig zu verstehen (was nicht heißt, dass wir einer Meinung sein müssen). Nenn es ein Hobby oder ein gemeinsames Interesse, aber es fällt mir dann halt manchmal schwer, von diesem "Trip" ein bißchen runterzukommen. Gerade, wenn die Themen so "spannend" sind, wie in diesem Fall... Kann ich mich da irgendwie verständlich machen?

lG
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Freiheit?

Neuer Beitragvon Chang » 4. Feb 2010 22:12

Die Frage von mir wäre, ob du Freiheit damit hast. Oder bist du so in einer Art "goldenem Käfig", den du dir nich wirklich wählen würdest, wenn du echte Freiheit hättest.
Columbia hat geschrieben:... es fällt mir dann halt manchmal schwer, von diesem "Trip" ein bißchen runterzukommen. Gerade, wenn die Themen so "spannend" sind, wie in diesem Fall... Kann ich mich da irgendwie verständlich machen?

Du kannst dich da schon verständlich machen ... und meine Frage bleibt: "Wählst" du das wirklich, weil du es so spannend findest, oder kannst du nur nicht davon lassen, weil du auf einem Trip bist, den du nicht lassen kannst?
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Re: Buchtips gesucht: Weg zu sich selbst und co.

Neuer Beitragvon Anra » 5. Feb 2010 00:36

hei Columbia

Columbia hat geschrieben:die konkrete Situation von Mittwochabend:
Da kommt mein Freund, ...weint fürchterlich und erzählt mir, dass seine Frau (die er seit einem dreiviertel Jahr mit mir betrügt) ihn eben am Telefon gefragt hat, ob er eine andere hat. Und er hat "nein" gesagt. Er fühlt sich erbärmlich, schwach und nicht in der Lage sein Leben zu meistern. Er macht sich Vorwürfe, dass er andere verletzt und enttäuscht, er hat Angst seine Frau zu verlieren, Angst davor, dass alles ganz schrecklich wird usw. usw. usw.
....
Konkrete Situation, konkretes Problem. Nur mal als kleines Gedankenspielchen (wenn Du Lust dazu hast?!): Wie würdest Du Dich verhalten?!

zuhören, nachfragen, wenn gewünscht meinen Senf dazugeben. So ähnlich wie du.

ist ja auch eine öfter vorkommende Situation. Ich fall auch ab und an jemandem um den Hals und heule und find mich blöd und weiß nicht weiter.

Und damit ist sie ja auch schon zu Ende. Irgendwann beruhig ich mich wieder. Am Tag drauf leb ich mein Leben weiter, in 9 von 10 Fällen auf die gleiche Art und Weise, so dass ich in nem halben Jahr oder so wieder frustriert sein werde, dass ichs nicht besser hinkriege.

Was nur eigenartig ist: dass du da eine bedrohliche Lebenskrise auf ihn zukommen siehst, der du jetzt im Vorfeld begegnen willst.
Verwechselst du dein und mein? Dein Verantwortungsbereich, seiner?

Wenn er keine Lust mehr auf so was hat, dann wird er anfangen es zu ändern (und mehr oder weniger oft Fehler machen, die ihn vielleicht so frustrieren, dass er heulend an deinem Hals hängt)
Wenn er das erträglich findet (weil er ja auch mit dir ein gutes Ventil hat), dann stellt sich nur die Frage, wie lange und wie oft willst du ihn ohne Änderung an deinem Hals hängen haben.

Im ersten Fall kann er beispielsweise anfangen, solche Bücher zu lesen, oder in Gruppen gehen, oder hier schreiben, oder oder (vorzugsweise ohne dich, damit du nicht seine Therapeutin wirst)
Im zweiten Fall darfst du sagen, hey, ich mag das heute nicht hören. Wenn du da drüber reden willst, geh zu XY.

Kann es sein, dass du da grad ein Drama draus machst? vlg Anra
p.s. wenn du ihm da am Mittwoch stundenlang intensiv zugehört hast: verstehst du ihn jetzt?
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Re: Buchtips gesucht: Weg zu sich selbst und co.

Neuer Beitragvon Anra » 5. Feb 2010 01:09

hallo Chang,
danke für die Lorbeeren :oops:

hallo Columbia

Columbia hat geschrieben:Aber ich würde es nicht tun, wenn ich es nicht wollte! Ich kann's nicht gut erklären, aber dieser Mann und ich, wir sind nicht "nur" ein Liebes-Paar, sondern vom ersten Tag an auch eine "Denk-Gemeinschaft".Wir stellen uns selbst und gegenseitig und miteinander die "großen Fragen des Lebens" (Wie funktionieren Beziehungen? Wie funktionieren wir? Was für Ziele haben wir und warum? Wie gehen wir mit Fehlschlägen/ Verletzungen/ Problemen / ... um? Nach welchen Grundsdätzen leben wir? Sind wir mit unserem Leben zufrieden? Was können und/oder wollen wir ändern? ...) und verwenden viel Zeit und Energie darauf, solche Dinge (für uns) klarzukriegen und uns selbst und gegenseitig zu verstehen (was nicht heißt, dass wir einer Meinung sein müssen). Nenn es ein Hobby oder ein gemeinsames Interesse, aber es fällt mir dann halt manchmal schwer, von diesem "Trip" ein bißchen runterzukommen. Gerade, wenn die Themen so "spannend" sind, wie in diesem Fall... Kann ich mich da irgendwie verständlich machen?


eigenartig find ich das, dass da jemand sagt, wir sind nicht nur ein Liebespaar. hat so ein bischen das, als wenn ein reines Liebespaar ein bischen wenig wäre und das hier ist eben na, nicht wie der Geschmack eines sortenreinen Apfelsaftes. Sondern eben -Stolz?- wie 5 Gänge aus dem Sternerestaurant.

nur ein Liebespaar .... huhu , ich will der eine Teil eines nur Liebespaares sein ;) :?: :?: ist da jemand für den anderen Teil :?: :?:

o.k. zurück zu Columbia
Columbia hat geschrieben: Aber ich würde es nicht tun, wenn ich es nicht wollte!


ich find, Chang hat da total recht, da fehlt die Freiheit. Woher kommt denn dein Wollen? Aus dem, dass du nur dann Liebe bekommst, wenn du die Starke und Hilfreiche bist? Dass du es nicht erträgst,, wenn es jemanden anderem 'schlecht' geht, weil es dich an deine eigenen Schmerzen, Trauer, gebrochene Versprechen erinnert? Aus der Angst, dass er sich sonst bei jemand anderem ausheult?

Ein Wollen ist kein Freifahrtschein.

So nebenbei denke ich mir, wenn ihr jetzt da ein Dreivierteljahr intensiv euch ausgetauscht habt, dann ist ja schon fast alles durchgekaut. Insofern finde ich deine Idee gelungen, ein Drama zu produzieren. Die Ausführung bisher auch.
Das mein ich übrigens ernst. Bevor es in einer Beziehung öde ist und sie auseinanderbricht, da ist so ein Drama schon was wert, um über diese Durststrecke hinwegzuhelfen.
Wie du das von Mittwoch beschreibst, hat er ja auch eine Neigung zum Drama, dann passt das noch besser. Dann seid ihr auch ein gelungenens Drama-Paar!

ch find nicht, dass die Welt besser ist, wenn wir die Probleme 'gelöst' haben. Meistens nicht mal anders. Insofern bin ich nicht so an Problemlösung interessiert.
vlg Anra
p.s. noch, weil du es so betonst: wenn du ihm jetzt ein Dreivierteljahr so zugehört hast und mit ihm über euer Leben und was ihr ändern wollt und was nicht geredet hast: warum verstehst du ihn dann nicht?
p.p.s. mir kommt so der Gedanke, dass ich nicht verstanden werden will. Wehe, da sagt das Liebesgegenüber: ich hab dich verstanden! wie langweilig. denn nun bin ich verstanden und das interesse, die Neugier ist vorbei. Ich bin bekannt, verstanden. kein Frund mehr, mich anzufassen, anzuschauen, mich zum lachen zu bringen. Liebe beinhaltet für mich, dass das Liebesgegenüber ein Gegenüber und Fremdes bleibt, etwas außerhalb meiner Welt. Damit ich durch das Liebesgegenüber reicher werde, ein mehr da ist. ach, es ist schon spät!
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Re: Buchtips gesucht: Weg zu sich selbst und co.

Neuer Beitragvon Columbia » 5. Feb 2010 08:34

Hey Leute!

Ich möchte jetzt nicht auf jeden einzelnen Punkt eingehen. Mit manchen habt Ihr sicher ganz gut getroffen, bei anderen liegt ihr völlig daneben. Ist aber auch egal. Was ich mitnehme sind die Buchtips und praktischen Ideen, die ich mir gewünscht hatte, und die Erkenntnis, dass es absolut menschlich ist, einem Menschen helfen zu wollen (Ihr beweist das ja auch gerade mit Euren langen Texten an/ für mich), dass das aber nur bis zu einem gewissen Grad geht.
Ja, ich befürchte ein Drama, aber Ihr habt vollkommen recht: ich kann es nicht verhindern. Es ist sein Leben und seine Entscheidung und ich werde versuchen, mich da soweit wie mir möglich rauszuhalten und auf seine Selbsterhaltungskräfte zu vertrauen und da zu sein, wenn's grad mal wieder ganz schwer ist.

Ich danke Euch für Eure Ideen und Gedanken,
lG
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Re: Buchtips gesucht: Weg zu sich selbst und co.

Neuer Beitragvon Anra » 5. Feb 2010 11:50

hei Columbia,
helfen? eigentlich weniger. Mich hat die Thematik angesprochen. Und hat mich ja zu einigen neuen Überlegungen geführt. Wenn dir dann sowas 'helfen' täte, dann schön.
mich hat noch über Nacht die Szene beschäftigt, die du beschrieben hast. Ich hatte ja aus von meinem Standpunkt aus geantwortet. Der stimmt aber nicht für dich.

Beim Frühstückskaffee dachte ich mir, hhm, wie würde ich mich denn fühlen, wenn da einer mich verleugnet und das, obwohl er weiß, dass es mir wichtig ist, und obwohl wir darüber gesprochen hatten, dass es anders werden soll. Und will sich auch noch bei mir ausheulen ....

das ist ja eher dein Standpunkt.

Na, ich wär sauer gewesen. Nix mit verständnisvoll die Schulter hinhalten.

Bist du nicht sauer? Warum nicht?
vlg Anra (zum Thema Verständnis und Liebe ein neuer Strang)
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